19. Mai 2025 • 18:00 Uhr • Einstein-Saal
Die jüngere französische Geschichtswissenschaft betrachtet die Geschichte der abendländischen Kirche(n) vor allem in sozialwissenschaftlicher Perspektive. Der Vortrag von Dominique Iogna-Prat (CNRS und EHESS Paris) zeigt das am zentralen Begriff der „Ekklesiologie“ und stellt das neue „Dictionnaire critique de l’Église“ (2023) vor. Anschließend gibt Christoph Markschies dazu einen Kommentar.
Eine Veranstaltung des Mittelalterzentrums der BBAW (Jörg Feuchter) in Kooperation mit dem Lehrstuhl Europäische Geschichte des Mittelalters, Humboldt-Universität zu Berlin (Dorothea Weltecke)
Das Mittelalterliche Jahrtausend 12
Göttingen 2025
»Infografik« ist ein zeitgemäßer Begriff – doch können ähnliche kreative Visualisierungspraktiken bereits in der Lehre und Wissenschaft des Mittelalters aufgezeigt werden.
Seit dem 12. Jahrhundert erfuhren Schema-Bilder, d.h. Abbildungen in abstrakter und schematischer Form, nach dem Vorbild ihrer Verwendung im antiken Schulunterricht weite Verbreitung in der Wissenschaft, im Recht sowie in der Historiografie, Chronologie und Kartografie. Ihr Einsatz wirkte nicht nur strukturierend und wissensorganisierend, sondern barg kreatives und hermeneutisches Potenzial – in etwa vergleichbar mit Simulationen eines Schwarzen Lochs in unseren Tagen.
Die Abhandlung möchte Schema-Bilder anhand von norditalienischen Beispielen – etwa aus den Pergamentrollen von Vercelli (12.–13. Jahrhundert) oder dem einzigartigen Werk Opizzinos de Canistris’ (1296–ca. 1353) aus dem benachbarten Pavia – als »tools for thinking« veranschaulichen. Diese faszinierenden Bilder wirken dynamisch und imaginativ und tragen zur aktuellen Diskussion über die »knowledge generating visualization« bei, eine Visualisierung »zwischen Gehirn und Hand« (M. Kupfer), die für das Spätmittelalter die »technisch-mediale Bedingtheit von Wissen« (H. Bredekamp) bestätigt.